Arabic Lesson / Home Visits

Intro

Hi zusammen.

Heute habe bin ich den Emotionellen Protection-Modus gewechselt.

In der Tontechnik würde ich sagen mein Kompressor hat auf zu viel Signal angesprochen und limitiert den Output.

Also wenn ich aus Eurer Sicht vielleicht etwas nüchtern schreibe, hat das damit zu tun, dass ich mehr erlebe und sehe als ich emotionell verarbeiten kann.

Ich reagiere dann so, dass ich alles aufnehme und viel schreibe und das in den nächsten Wochen und Monaten in bewältigbaren Portionen nachhole.

Arabic Lesson for Runaways

Zum Aufwärmen zuerst etwas Weiterbildung für Euch.

Arabisch – eine nicht unwichtige Sprache in Mitteleuropa. Immer mehr. Also: Fleissig üben bitte 🙂

(In Lautsprache geschrieben. So wie es sich für mich anhörte):

Sabahhh Alcher Guten Morgen

Das H-ausprechen wie wenn man Hustet aber ohne Ton.

Wer es etwas Blumiger will sagt

sabah henor – Morgen des Lichtes

Die Antwort muss immer blumiger sein. Es gibt auch noch rosiger Morgen usw.

Mittag gibt es nicht (wahrscheinlich weil die Begrüssung am Morgen so aufwändig ist 😉 also folgt:

massa alcher – guten abend ab 12 Uhr Mittags.

laila saida – gute nacht

ismi Jürg (klar oder?)

lah – nein mit hochnicken

naam (formal) oder ajwah – ja, dazu runternicken

sadii – Freund

shukran – Danke

Shukran habibi – Danke meine Liebste/Liebster

zählen

wahat sneen delatte araba chamsa sitta sabbaha thamania desa aschara

gegen böses – chamsa! chamsa! chamsa!

und natürlich der Klassiker : jalla jalla! das redet für sich selber

Tagesbericht

Also. Was wir heute erlebt haben. Ich kann hier nur ein paar Bruchstücke teilen.

Wir fuhren in eine Stadt etwa so gross wie Basel. 2/3 der Einwohner sind syrische Flüchtlinge. Es wurden aber keine zusätzlichen Häuser gebaut.

Um euch das etwas zu verdeutlichen wie die Situation ist hier ein Beispiel:

Stellt euch vor, jeder von uns nimmt zwei Flüchtlinge auf. Wenn Du also verheiratet bist und zwei Kinder hast, nimmst Du acht.

Du nimmst sie aber nicht in Dein Haus und versorgst sie. Du vermietest ihnen Deine Garage für 100 CHF im Monat. Wie sie das bezahlen ist nicht Dein Problem. Sie bekommen pro Person 10 CHF Unterstützung. Sie haben also 80.- da fehlt ja nicht mehr viel. Wegen Essen und so weiter, das ist auch nicht Dein Problem.

Habt ihr das Bild?

Möbel brauchen sie übrigens auch keine. Ein paar Matrazen genügen.

Aber wie kamen sie überhaupt hierher?

Wir haben zwei Familien besucht (mein Team) und Bea eine andere Familie mit einem anderen Team.

Die folgenden Informationen sind eine Mischung aus allem.

Die Familien flüchteten zum Beispiel aus Homs. Eine Familie kam, weil ein Kind von einem Schrappnel-Splitter den Bauch und Magen offen hatte und medizinische Hilfe brauchte. Andere kamen weil Ihre Häuser von Bomben zerstört worden waren.

Sie kamen teilweise zu Fuss, teilweise mit öffendlichen Verkehrsmitteln aber mehr zu Fuss aus Angst vor der Armee. Denn es war ihnen nicht erlaubt zu flüchten.

So erreichten Sie die Jordanische Grenze die aus einem kleinen Erdwall besteht. Wer die Grenze überschreitet wird meistens irgendwann verhaftet und in eines von 3 grossen Flüchtlingslagern gebracht.

Dort zu sein ist nötig um den verbrieften Flüchtlingsstatus zu bekommen, ohne den man keine staatliche Hilfe bekommt.

Im Flüchtlingslager kriegt man Essen, ein Zelt und Medizin. Sonst nichts. Es darf nicht verlassen werden.

Wer noch etwas Geld hat kann für ca. 100 Denar (140.- CHF) das Lager verlassen.

Alle die sich das leisten können tun das. Die Ärmsten verbleiben im Lager. Das sind aber immer noch Zehntausende.

Wir besuchten aber nicht das Lager, das ist nicht möglich sondern die Menschen in der Stadt wo wir sind.

Wenn die Familien hier sind können die Kinder zur staatlichen Schule. Aber nicht mit den Jordaniern.

Ein Vergleich:

* Die Jordanier haben am Morgen Schule die Syrer am Nachmittag. Am Nachmittag ist eine Baustelle neben der Schule. So verstehen die Kinder nur wenig.

* Die Jordanier haben am Morgen 4h, die Syrer 2h am Nachmittag

* Es kann sein dass ein Flüchtlingskind zur Schule geht und vom Lehrer mit einem Sack Kartoffeln auf den Markt geschickt wird um sie zu verkaufen. Verkauft er nicht alle muss er den Rest selber kaufen. Der Erlös ist für den Lehrer.

* Am Samstag müssen die Syrer zur Schule, aber ausschliesslich um sie zu Putzen.

Die syrischen Kinder lernen praktisch nichts auf der staatlichen Schule. Deshalb gehen die Kinder am Morgen in die Schule der Kirche, welche wir besuchten, und wo sie sehr viel lernen. Nach einem seriösen Lehrplan und breit abgestützen Fächern.

Wieso gehen sie dann noch auf die staatliche Schule?

1. Nur die staatliche Schule gibt ein Zertifikat, ohne dies der Unterricht nichts zählt

2. Wer die Kinder zur Schule schickt kann Unterstützung beantragen.

(PS: In den grossen Städten wie z.B. Amman ist die Schulsituation zum Glück besser. Dort gibt es auch gemischte Klassen).

Die Eltern dürfen nicht Arbeiten. Eine Arbeitsbewilligung kostet 500 Denar was sich niemand leisten kann.

Wir durften in der Kirche mithelfen:

Lebensmittelpakete verteilen, Gebäude putzen, die Strasse vor dem Gebäude und gegenüber putzen…

Dazu hörte ich eine lustige Geschichte:

Diejenigen die die Strasse putzten wurden von einem Mann angehalten:

“Was macht ihr hier?”

“Wir putzen die Strasse”

“Von wo kommt ihr?”

“Aus Holland”

“Ihr kommt aus Holland um die Strasse zu putzen?”

“Ja, sie muss geputzt werden es ist schmutzig”

“Bezahlt euch die Regierung dafür?”

“Nein. Niemand”

Ich denke das gibt dem Mann etwas zum Nachdenken.

Wir durften Familien besuchen um zu erfahren was ihre Bedürfnisse sind, damit ihnen geholfen werden kann.

Alles läuft über persönliche individuelle Besuche. Am meissten benötigen die Menschen Wertschätzung und Hilfe.

Das bekommen sie durch die Kirche hier.

z.B. Lebensmittel, Kleider, Augenarzt Praxis, Schulunterricht, Nähkurse, Computerkurse, Sprachkurse und eben Menschen die sie wertschätzen.

Die Flüchtlinge werden viel beschimpft und die Kinder müssen auf dem Schulweg begleitet werden, damit ihnen nicht Gewalt angetan wird.

Deshalb ist Wertschätzung, Besuche und Freundschaft so wichtig.

Das benötigt eine Armee von Helfern.

Es hat hier viele Volunteers aus dem mittleren Osten (z.B. Jordanien, Ägypten) und auch viele aus der ganzen Welt. Viele arbeiten Teilzeit für ihr Einkommen und als Volunteer mit den Flüchtlingen.

Die Kirche wurde um 2010 erweitert obwohl es nur eine kleine Gemeinde war und ohne zu wissen was bald in Syrien passieren wird.

Als 2011 die Flüchtlinge kamen war die Kirche bereit wie die Arche Noah für die Sindflut. So hat es jetzt für viele Menschen Platz, dass ihnen geholfen werden kann.

So muss Kirche sein. relevant und wertvoll für Ihre Umgebung.

Erstaunlicherweise ist das exakt dieselbe Geschichte wie ich sie letztes Jahr im Libanon gesehen habe.

Erstaunlich dass das gleiche an zwei Orten auf die selbe Art zur selben Zeit passiert ist, ohne dass sie voneinander wussten.

Darüber denke ich nach heute beim Einschlafen.

Dafür bin ich jetzt auch reif. gute Nacht!

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